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Patient Deutschland #19

Hannes Klöpper ist CEO von HelloBetter, einer Plattform für wissenschaftlich geprüfte psychologische Online-Trainings, die mit Begleitung von Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen Hilfe bei Stress, Depressionen, Schlafstörungen und bei weiteren psychischen Beschwerden bieten.


In dieser Folge von „Patient Deutschland“ spricht Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen, mit Hannes Klöpper darüber, wie digitale Gesundheitsanwendungen den Healthcare-Markt bereichern können. Außerdem geht es um die elektronische Patientenakte, die Klöpper gar nicht so lobenswert findet und seine Vision für ein digitalisiertes Gesundheitswesen in Deutschland. 

 

Kommt jetzt die Goldgräberstimmung im Digital-Health-Bereich?

Hannes Klöpper hat als Mitgründer der E-Learning-Plattform Iversity erste Erfahrungen als Unternehmer gesammelt und seine Leidenschaft für digitale Geschäftsmodelle entdeckt. Nach dem Exit ist er 2019 bei HelloBetter eingestiegen und entwickelt das Unternehmen seit Januar 2020 als CEO weiter. HelloBetter ist eine Plattform für wissenschaftlich geprüfte psychologische Online-Trainings, die mit Begleitung von Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen Hilfe bei Stress, Depressionen, Schlafstörungen und bei weiteren psychischen Beschwerden bieten. m Frühjahr 2021 will HelloBetter als offizielle digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen werden, die dann von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen verschrieben werden kann. In der aktuellen Folge meines Podcasts „Patient Deutschland“ habe ich mich deshalb mit Hannes Klöpper darüber unterhalten, wie steinig der Weg zur DiGA tatsächlich ist und warum die Welt gerade sehr interessiert auf den deutschen Digital-Health-Bereich blickt.

 

Wie kommt es nun, dass ein Gründer aus dem Bildungsbereich die Branche wechselt und sich der Schaffung von Digital-Health-Angeboten verschreibt? Dieser Wechsel ist auf den ersten Blick etwas überraschend. Tatsächlich aber, so erklärt Hannes Klöpper im Podcast, gibt es ganz grundlegende Parallelen. In beiden Fällen, bei Iversity und nun bei HelloBetter, sei die Basis eine technische Plattform mit relevanten Inhalten, die durch eine Servicekomponente miteinander verbunden sind. Aus diesem Grund konnte er seine Erfahrungen sofort einbringen. Der entscheidende Unterschied allerdings zwischen den beiden Bereichen sei die Messbarkeit: Bildungserfolge lassen sich nur schwer nachweisen. Im Bereich der psychischen Erkrankungen sei es hingegen möglich, mit wissenschaftlich anerkannten Methoden die Wirksamkeit von Produkten und Behandlungen zu belegen. Die Tatsache, dass die Effekte eines Produktes, im Fall von HelloBetter also von Online-Kursen, direkt quantifizierbar sind, hat Hannes Klöpper gereizt und davon überzeugt, einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Durch die Online-Kurse soll das Behandlungsangebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen erweitert, persönliche Behandlungen aber keinesfalls ersetzt werden. Klöpper sieht HelloBetter vielmehr als weitere Option im Werkzeugkasten der behandelnden Ärzt:innen und Therapeut:innen.

 

Schreckgespenst Datensicherheit

 

Beim Thema Datensicherheit will Hannes Klöpper mit einem Mythos aufräumen: Die DGVO, so sagt er, gibt einen sehr klaren Rahmen vor, innerhalb dem sich Unternehmen wie HelloBetter bewegen müssen. Die Sekundärnutzung der personenbezogenen Daten, also alles, was sich abseits des Einsatzes zu Behandlungszwecken abspielt, sei schlicht rechtswidrig. Auch die Beteiligung von Investor:innen an digitalen Geschäftsmodellen würde daran nichts ändern, versichert er. 

 

Wenn es um die Beteiligung von Wagniskapital bei Unternehmen aus dem Healthcare-Bereich geht, stört ihn, dass häufig zweierlei Maßstäbe angesetzt werden: Bei den meisten Unternehmen, die unseren Lebensalltag prägen, hätte sich diese Finanzierung als Standardmodell durchgesetzt. Skepsis bei der Sicherheit der Daten würde aber nur selten aufkommen. VC-Finanzierungen im Healthcare-Bereich aus diesem Grund kategorisch auszuschließen, hält Klöpper allerdings für gefährlich. „Denn dann würde es die zahlreichen Innovationen, die große Fortschritte in vielen Bereichen der Gesundheitsversorgung in Aussicht stellen, einfach nicht geben.“ 

 

Aufbruchsstimmung in der Branche

 

Dass ausschließlich staatliche Investitionen nicht ausreichen, davon ist Klöpper fest überzeugt und verweist auf die Diskussion um die Gematik und die elektronische Patientenakte. Der Stand, auf dem Deutschland heute ist, sei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern “eine Katastrophe”. Trotz dieser „digitalen Steinzeit” gibt es aber ein anderes Gebiet, in dem Klöpper Deutschland als weltweit führend sieht: bei den digitalen Gesundheitsanwendungen und konkreter noch beim Marktzugang und der Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Dieser Prozess sei bemerkenswert schlank und in den Augen von Klöpper beinahe eine Revolution. 

 

Insgesamt, so stellt er fest, erlebt die Digital-Health-Szene gerade einen Aufschwung, der Deutschland Leuchtturm-Charakter verleiht. Unsere europäischen Nachbarn und auch die USA würden deshalb interessiert verfolgen, was sich hierzulande entwickelt. Ob Klöpper der Branche deshalb schon eine echte Goldgräberstimmung attestiert, verrät er im Podcast. 

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Health&Care Management, dem Fachmagazin für Entscheider*innen und Meinungsführer*innen in Krankenhäusern, Privatkliniken, Alten- und Pflegeheimen.