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Patient Deutschland #14

Daniel Nathrath kommt aus einer Medizinerfamilie. Weil er allerdings kein Medizin-, sondern ein Jurastudium absolvierte, bezeichnet er sich scherzhaft als das schwarze Schaf der Familie. Doch der Kreis hat sich geschlossen, denn vor fast zehn Jahren hat Nathrath “Ada” gegründet, ein Diagnose-Unterstützungs-Tool. Heute ist er CEO des Unternehmens, dessen App mittlerweile in 140 Ländern auf Platz eins der am meisten heruntergeladenen medizinischen Anwendungen ist.

In dieser Folge von “Patient Deutschland” spricht Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen mit Daniel Nathrath darüber, wieso Ada ein echter Gamechanger für die Healthcare-Branche ist – nicht nur national sondern auch international. Außerdem verrät er, wie der deutsche Gesundheitsmarkt auf die Einführung der Anwendung reagiert hat.

Warum die KI-App Ada ein internationaler Gamechanger für die Gesundheitsbranche ist

„Ich bin das schwarze Schaf der Familie”, sagt Daniel Nathrath scherzhaft, „weil ich der erste aus der Familie bin, der kein Arzt geworden ist.” Abgeschreckt von den Erzählungen aus seiner Verwandtschaft, dass man im Medizinstudium Leichen sezieren müsse, nahm er sich vor, etwas zu studieren, bei dem man sich ausschließlich mit Büchern beschäftigt – also studiere Daniel Nathrath Jura. Er arbeitet allerdings bereits seit zwanzig Jahren in der “Internet-Branche”. Nachdem er 2011 von der Vision für die App Ada erfuhr, entschied er sich, trotz weiterer Angebote, im Business Development des Healthcare-Start-ups zu arbeiten. Mittlerweile ist Ada in 140 Ländern auf Platz eins der am meisten heruntergeladenen Gesundheitsanwendungen. Ich habe mich mit Daniel Nathrath in der aktuellen Episode meines Podcasts Patient Deutschland über das Geschäftsmodell der App unterhalten, die für die Endkonsument:innen kostenlos ist, und darüber, wieso Ada ein Gamechanger für den nationalen und internationalen Gesundheitsmarkt ist.

 

 

60 Ärzt:innen in der Hosentasche

 

„Mit Ada hat man 60 Ärzt:innen und Spezialist:innen in der Hosentasche”, erklärt Daniel Nathrath. Die App funktioniert wie ein Chat mit einer medizinischen Fachkraft: Die Nutzer:innen geben ihre Symptome an und die KI erstellt daraufhin eine sehr wahrscheinliche Diagnose. Hinter der KI steckt eine dynamische medizinische Datenbank, die mit jede:m neuen User:in und jeder neuen Angabe von Symptomen dazulernt, um Diagnosen datenbasiert und fundierter erstellen zu können. Mittlerweile erkennt die App mehrere Tausend Symptome und kann Profile von ca. 1000 Krankheiten diagnostizieren – und das in zehn Sprachen.

 

Weltweit fehlen bis zu 10.000.000 Healthcare-Worker

 

Die Hauptmärkte der Gesundheitsanwendung sind der heimische deutsche, der US-amerikanische und der britische Markt. Der Punkt, warum Ada ein Gamechanger für den internationalen Gesundheitsmarkt sein kann, liegt allerdings außerhalb dieser Märkte. „Gerade in Ländern mit weniger guter medizinischer Versorgung, mit einem nicht so hohen Pro-Kopf-Einkommen, sehen wir ein Potential”, erklärt Daniel Nathrath. Denn gerade dort kann der Diagnose-Assistent eine Hilfestellung für Ärzt:innen für präzisere Diagnosen bieten und schlechten oder teuren Zugang zu medizinischer Versorgung demokratisieren. Auch eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover aus dem Jahr 2019 belegt die Leistungsfähigkeit der App. Dort wurden Fälle von Langzeitpatient:innen untersucht, die über zehn Jahre hinweg diagnostiziert wurden. Die Angaben zu den Symptomen der Patient:innen wurden von Arztbesuch zu Arztbesuch erneut bei Ada eingegeben. Die Untersuchung ergab, dass Ada in über 50 Prozent der Fälle bereits nach dem zweiten Arztbesuch die korrekte Diagnose stellen konnte. „Außerdem googlen acht von zehn Patient:innen vor ihrem Arztbesuch ihre Symptome. Ada ist viel leistungsstärker und kann besser in das bestehende Gesundheitssystem integriert werden als die Suchmaschine”, sagt Daniel Nathrath.

 

Deutschland ist Vorreiter

 

Das Geschäftsmodell von Ada fokussiert sich auf das B2B-Segment. Unternehmen aus der Sozialwirtschaft betten Adas Funktionen auf ihrer digitalen Infrastruktur ein und profitieren von den Benefits der künstlichen Intelligenz. Das amerikanische Unternehmen “Sutter Health” koordiniert mittels einer digitalen Plattform Krankenhaus-Termine, um Ressourcen und Kapazitäten optimal auszunutzen. Hier ist Ada beispielsweise als Filter vor den gesamten Prozess geschaltet, damit die Ärzt:innen und das System dem Patienten die optimale Versorgung bereitstellen können. „Deutschland ist im internationalen Vergleich mit den neuesten Vorstößen des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn übrigens ein Vorreiter im Zuge der digitalen Gesundheitsanwendungen”, erzählt Daniel Nathrath, „viele Partner:innen aus den Staaten beneiden uns um unsere fortschrittliche Entwicklung.” Von der neuen Gesetzgebung zu den digitalen Gesundheitsanwendungen oder den “Apps auf Rezept” erhofft sich der Geschäftsführer ein Bedeutungs- und Vertrauenszuwachs der Nutzer:innen. „Ich denke, die Bereitschaft bei Patient:innen und Ärzt:innen digitale Lösungen zu nutzen, wird in den nächsten Jahren immer weiter steigen”, so Daniel Nathrath. „Das Gesundheitssystem der Zukunft beginnt nicht mehr im Wartezimmer sondern auf dem heimischen Sofa, wenn die Symptome in ein integriertes KI-System wie Ada eingegeben werden.”

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