· 

Patient Deutschland #26

Stefan Adolf ist Developer Ambassador bei „Turbine Kreuzberg“, einer Technologieagentur aus Berlin.

 

Aus einer Aufgabe für Studierende der HTW Berlin ist ein Projekt entstanden, das den Zahn der Zeit kaum besser treffen kann:

Die Entwicklung der ĐePA, einer auf Bitcoin basierenden dezentralen Infrastruktur für die Dokumentation und den Austausch personenbezogener medizinischer Daten. Warum er glaubt, dass diese Technologie häufiger im Gesundheitswesen eingesetzt werden sollte und warum er so großes Potenzial in der DePA sieht, das hat er in dieser Folge von „Patient Deutschland" mit Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen, besprochen. 

Was bringt Blockchain-Technologie im Gesundheitswesen?

Stefan Adolf ist Developer Ambassador bei „Turbine Kreuzberg“. Nein, damit ist kein Fußball- bzw. Volleyball-Verein gemeint, sondern eine Technologieagentur mit langer Tradition. Dabei ist Stefan Adolf von Haus aus Diplom-Mathematiker. Jedoch fühlt er sich seit nunmehr 20 Jahren in der Software-Entwicklung heimisch – er gründete Start-ups und arbeitet für Unternehmen wie Check24 und Siemens. Ursprünglich war er lediglich als Speaker bei einer internen Weiterbildung zum Thema „Start-up-Kultur” bei seinem heutigen Arbeitgeber eingeladen. Doch aus seinem Vortrag ergab sich die Möglichkeit als Ambassador bei Turbine Kreuzberg eingesetzt zu werden. Jetzt ist er gewissermaßen Diplomat.

 

Doch auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens stellt einen Schwerpunkt seiner derzeitigen Arbeit dar. Dabei hatte alles mit einer Aufgabe für eine Hand voll Studierende angefangen. Turbine Kreuzberg unterstützt seit einigen Jahren kooperativ und projektbasiert die HTW Berlin. Die Studierenden bekamen die Aufgabe gestellt, die digitale Patientenakte neu zu denken und zwar auf Basis einer Blockchain-Technologie, um sie damit zu dezentralisieren. Schnell wurde klar, dass das Thema noch wesentlich interessanter war als ursprünglich angenommen. So entwickelte sich aus einem Auftrag eine Passion und das, was heute den Namen „ĐePA“ trägt: eine dezentrale Infrastruktur für Europa, um personenbezogene medizinische Daten zu dokumentieren und auszutauschen.

Blockchain als Vertrauensanker

„Eine Blockchain ist eigentlich eine Datenbank, auf die viele gleichzeitig zugreifen können und die durch festgesetzte Regeln unkompromittierbar und praktisch unhackbar ist“, so Stefan Adolf. Derzeit läuft die Sammlung von Patient:innen-Daten über zentrale Systeme, die sich in der Vergangenheit als anfälliger für Datenlecks und menschliche Fehler herausstellten. Grundsätzlich müsse sich beim Aufbau solch einer dezentralen Struktur – wie der Blockchain – die Frage gestellt werden: Wem sollen die Patient:innen-Daten gehören? „Ich bin mir sicher: Hätte ich vor zehn Jahren mit dem Gesundheitsminister darüber gesprochen, wäre die Antwort gewesen, dass sie entweder bei den Krankenkassen oder in eine verstaatlichte Struktur gehörten“, so der Experte, „wenn wir heute darüber sprechen, geht die Argumentation eher in die Richtung, dass die Patientenakte und die Daten bei den Patient:innen direkt liegen sollten.“ So könnte auch im Rahmen der Datensicherheit die Blockchain als Vertrauensanker für das Gesundheitssystem fungieren.

 

Mehr Offenheit und gemeinsame Lösungen

Das hört sich soweit alles sehr sinnig an. Jedoch gibt es auch einige Herausforderungen, vor die das Gesundheitssystem bei der Umrüstung auf Blockchain-Technologie gestellt wäre. Beispielsweise müsste das gesamte derzeitige System umgestellt und geeignete Frontends gefunden werden, die die Aktionen und Regeln der Blockchain sicher und lückenlos umsetzen. „Letztlich ist mir aber eine Sache besonders wichtig, die durch unsere Initiative bewegt werden soll“, erzählt Stefan Adolf, „ich möchte, dass wir auch im Gesundheitssystem wieder mehr an die Kraft der Innovation glauben und uns nicht mehr im Jahr 2021 über Protokolle unterhalten, die wir schon 1997 ins System eingepflegt haben.“

RSS-Feed
RSS-Feed

"Patient Deutschland" wird präsentiert von
Health&Care Management, dem Fachmagazin für Entscheider:innen und Meinungsführer:innen in Krankenhäusern, Privatkliniken, Alten- und Pflegeheimen.