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Patient Deutschland #20

Andre Heeg ist promovierter Arzt und nach mehreren Stationen im Healthcare-Bereich heute Managing Director und Partner bei BCG Digital Ventures. Mit dem Company Builder hilft er Konzernen dabei, innovative Ideen zu entwickeln.

 

 

In dieser Folge von „Patient Deutschland“ hat sich Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen, mit Andre Heeg über das Innovators Dilemma unterhalten, den Kulturwandel in der Branche und die Entwicklung des Standorts Deutschland beim Thema Digital Health.

Wie kann man Gesundheit skalieren?

Andre Heeg hat in seinem ersten Leben ein klassischer Klinikkarriere verfolgt: Er hat promoviert und später als Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg gearbeitet. Dann jedoch hat er sich von der praktischen Medizin verabschiedet und sich der Frage gewidmet, wie man Gesundheit skalieren kann. Statt einzelnen Patient:innen als Arzt zu helfen, wollte er in einem noch größeren Rahmen positive Veränderungen bewirken und Millionen von Menschen erreichen. Nach mehreren Stationen im Healthcare-Bereich ist er heute Managing Director und Partner bei BCG Digital Ventures. Mit dem Company Builder hilft er Corporates bei der Entwicklung innovativer Ideen. 

 

In der aktuellen Folge meines Podcasts „Patient Deutschland“ habe ich mit ihm darüber gesprochen, wie sich der Digital Health-Bereich in Deutschland entwickelt, wie das Innovator´s Dilemma seine Arbeit beeinflusst und in welchem Bereich er besonders großes Innovationspotenzial sieht. 

 

Digitalisierung im Gesundheitsbereich ist nicht erst seit Kurzem in aller Munde. Andre Heeg sagt deshalb, dass sich alle Unternehmen, die direkt oder indirekt mit der Branche verbunden sind, mit dem Thema auseinandersetzen müssen – ganz gleich ob Pharmakonzerne oder Krankenkassen, Krankenhäuser, der Public Sector oder auch NGOs. Wer die Augen vor dieser Entwicklung verschießt und die eigenen, etablierten Geschäftsfelder nicht hinterfragt, verliert langfristig an Marktmacht, so Heeg. 

 

Auch aus diesem Grund ist Andre Heeg mit seinem Team so gefragt. Denn BCG Digital Ventures ist ein Company Builder, also eine Art Inkubator für innovative Ideen, speziell für Konzerne. Mit seinem Team aus Spezialist:innen ganz unterschiedlicher Disziplinen hilft er den Corporates aus dem Gesundheitsbereich dabei, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken, zu erneuern und zukunftsfähig zu machen. Innerhalb kurzer Zeit entstehen so ganze Startups innerhalb der Konzerne.

 

Innovationen vs. Innovator´s Dilemma

 

Die Einstiegspunkte in den Innovationsprozess sind unterschiedlich, berichtet Heeg. Eine Möglichkeit ist, dass Konzerne zwar sehen, dass sie sich in einem bestimmten Bereich neu aufstellen müssen, die konkrete Idee aber noch fehlt. BCG Digital Ventures unterstützt dann dabei, die passenden Ansätze zu finden und sie in bestehende Prozesse zu integrieren. Wenn ein Konzern schon weiter ist und eine konkrete Innovation bereits entwickelt hat, übernimmt BCG Digital Ventures die Validierung oder bilft bei der Skalierung. In jedem Fall ist die Zusammenarbeit sehr operativ, berichtet Heeg. Wissenstransfer sei der entscheidende Faktor, der die Projekte erst erfolgreich macht und die Unternehmen spürbar nach vorne bringt. 

 

„Deutschland ist global zu einem der attraktivsten Digital Health-Märkten geworden“, sagt Heeg und ergänzt, dass die Zahl der Anfragen von Konzernen, die Innovationen im Digital Health Bereich treiben wollen, deutlich gestiegen sei. Einerseits sei das eine direkte Auswirkung des Verhaltens der Patient:innen, die durch ihr Handeln die Entscheidungen der Unternehmen beeinflussen. Auf diese Weise würden neue potenzielle Märkte sichtbar. Gleichzeitig kann Heeg aber auch verstehen, dass zahlreiche Corporates im sogannnten „Innovator´s Dilemma“ feststecken. Obwohl sie mit dem, was sie seit Jahren tun, erfolgreich sind, müssten sie bereit sein, sich zu innovieren und Veränderugen anstoßen. Gerade in etablierten Konzernstrukturen sei das zuweilen eine echte Herausforderung. 

 

Direct to Patient

 

Großes Potential siehr Heeg im Ansatz „Direct to Consumer“, der endgültig den Sprung in den Healthcare-Bereich schaffen wird. Statt weiterhin der Perspektive der Institutionen zu folgen, sollten alle Leistungen künftig von den Patient:innen aus gedacht werden. Wenn Silos aufgebrochen werden, würden die Patient:innen endlich eine Gesundheitsversorgung ohne Brüche erleben können, bei der alle Bereiche nahtlos ineinandergreifen. Heeg sieht für die kommenden Jahre großes Potenzial insbesondere in personalisierten, direkt an den Bedürfnissen der Patient:innen ausgerichteten Leistungen. 

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