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Corona Tagebuch #16

Blindes Vertrauen ist jetzt die einzige Option!

Wenn Sie ihren Arbeitsalltag mit dem von vor ein paar Wochen vergleichen, als noch nichts von der nahenden Corona-Kris zu spüren war, welche Veränderungen entdecken Sie? Mit Sicherheit eine ganze Menge – ich zumindest stelle fest, dass sich Prioritäten verschoben haben und ganz neue Themen relevant geworden sind. Das ist die inhaltliche Seite. Gleichzeitig hat sich auch viel bei den Prozessen getan. Am deutlichsten spürbar, weil jeden Tag aufs neue sichtbar, ist die Tatsache, dass wir in dezentralen Teams und alle im Home Office arbeiten. Bei den Techniklotsen musste sich ein neues Verständnis von Arbeit etablieren. Gott sei dank konnten wir uns dabei auf eine bewährte Philosophie stützen.

 

Im Zweifel für das Vertrauen

Der entscheidende Faktor, der unter diesen Bedingungen den Betrieb am Laufen hält, ist das gegenseitige Vertrauen. Führungskräfte müssen ohne die visuelle Rückkopplung im Büro darauf vertrauen, dass ihr Team die vereinbarten Dinge erledigt. Dass eine gewisse Ernsthaftigkeit herrscht und Arbeitszeiten eingehalten werden. (Beim letzten Punkt übrigens nicht aus der Sorge heraus, dass jemand faulenzen könnte, sondern weil Erschöpfung im Home Office eher die Regel, als die Ausnahme sind.) Gleichzeitig müssen auch alle Mitarbeiter*innen sicher sein und darauf vertrauen können, dass der oder die Chef*in sie arbeiten lässt und nicht ständig versucht, jeden einzelnen Schritt zu bestimmen und/oder zu überwachen. Also, dass die übertragenen Verantwortlichkeiten ernst gemeint sind. Und schließlich müssen sich auch die Mitarbeiter*innen untereinander vertrauen und als Team arbeiten, in dem Lasten verteilt werden. Und zwar auch dann, wenn das Sofa so viel bequemer wäre und die neue Netflix-Serie interessanter, als bestimmte Aufgaben.

 

In allen diesen Konstellationen muss, ähnlich wie vor Gericht, eine Unschuldsvermutung gelten: Solange das Gegenüber einem keinen Anlass zur gegenteiligen Annahme gibt, muss man sich vertrauen und davon ausgehen, dass alles genauso weiterläuft, wie es im gemeinsamen Büro gewesen wäre. Dass also Absprachen ihre Gültigkeit behalten, Termine eingehalten und Aufgaben erledigt werden. Setzen Sie sich also dafür ein, dass sich alle Führungskräfte und Mitarbeiter*innen im Zweifelsfall also erstmal für das Vertrauen in die andere Person zu entscheiden! Das sollte gerade jetzt der Grundstein der Arbeitsphilosophie sein.

 

Schnelligkeit durch Ehrlichkeit und Transparenz

Damit das funktioniert, braucht es Kommunikation: Ehrlich, transparent und realistisch. Wenn jemand bei einer Aufgabe nicht weiterkommt, dann darf man sich Hilfe suchen – im Büro hätte man schließlich auch einfach über den Tisch hinweg die Kollegin oder den Kollegen gefragt. Ist ein Teammitglied zwischenzeitlich verhindert, beispielsweise weil das durch die Betreuung der eigenen Kinder zu Hause der Fall ist, dann ist das in Ordnung, sollte aber klar im Team kommuniziert werden – beispielsweise im internen Chatprogramm. Dann ist transparent, dass die betreffende Person das ihr entgegengebrachte Vertrauen nicht ausnutzt und sicher Aufgaben erledigt, gegebenenfalls eben zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Liegen alle Informationen auf dem Tisch, kommt es weniger zu Unstimmigkeiten. Verantwortlichkeiten sind klar verteilt und Missstände können sofort adressiert und beseitigt werden. Insgesamt führt das dazu, dass Abläufe schneller werden.

 

Und darauf kommt es im Moment an! Es geht darum, Reibungsverluste zu vermeiden und Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Natürlich, so sollte es immer sein, aber die Toleranz für solche Störungen ist jetzt geringer. Der Ausdruck blindes Vertrauen bekommt momentan eine besondere Bedeutung, denn es ist der einzige Weg, wie wir sinnvoll zusammenarbeiten können.

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